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Teilhabe und Verhandlung im Quartier – Rückblick 2025

Quartiere sind ein wesentlicher Ort für das Zusammenleben, in denen tägliche Routinen stattfinden und die Bewohnenden und Nutzenden sich begegnen. In Quartieren finden Menschen Gemeinschaft, Gemeinsamkeiten, aber sind auch mit Unterschieden und Konflikten konfrontiert. Das Einstehen für gemeinsame Bedürfnisse, das gemeinsame Erarbeiten von Projekten, das Aushalten und Aushandeln von Differenzen und Widersprüchen schaffen gesellschaftlichen Zusammenhalt und Verständnis. Die Aktivitäten des Netzwerks drehten sich 2025 um die Frage, wie Teilhabe und Verhandlung im Quartier ermöglicht wird, entsteht und sich entwickelt. Zu dieser Fragestellung wurden wir drei Aspekte diskutiert: Freiwilligenarbeit im Quartier, Verhandlung im Quartier und Schulhöfe als Quartierräume.

Freiwilligenarbeit im Quartier

Freiwilligenarbeit im Quartier bedeutet, dass Teilhabe durch Mitgestaltung und Engagement im Quartier entsteht. Dies wurde zuerst am thematischen Seminar durchleuchtet und anschliessend an einer Gesprächsrunde mit Expertinnen und Experten vertieft, während welchem 5 Thesen zur Freiwilligenarbeit in Quartieren entstanden sind. Die Thesen, welche in der Gesprächsrunde unter Experten und Expertinnen erarbeitet wurden, liefern Teilantworten, wie Freiwillige am besten unterstützt und neue Freiwillige gewonnen werden können.

  • Freiwilligenarbeit stärkt die Selbstwirksamkeit, die psychische Gesundheit, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen in staatliche Organisationen.
  • Die Informationen zu möglichen Einsätzen für Freiwillige müssen einfach auffindbar sein, die Bedingungen des Einsatzes müssen für die für die Freiwilligen stimmen (Anforderungen, Ressourcen, Aufwand).
  • Unterstützung von Freiwilligenarbeit geschieht durch Anerkennung der Freiwilligenarbeit und dem zur Verfügung stellen von Ressourcen (Entschädigungen, Räumlichkeiten, …).
  • Quartierarbeit kann Freiwilligenarbeit durch Möglichkeiten zur freiwilligen Mitarbeit und Mitgestaltung fördern, und die Arbeit durch Anerkennung und Sichtbarmachung honorieren. Grundlegend lässt sich zudem festhalten, dass Freiwilligenarbeit aus der Motivation der Freiwilligen entsteht und sie keine Fachpersonen ersetzen können, sondern diese unterstützen.

Partizipation und Verhandlung im Quartier, Freiburg

Beim Réseau Quartiers Vivants sur place in Freiburg stand das Thema der Verhandlung im Vordergrund: die Verhandlung zwischen Stadtverwaltung, Politik und Anspruchsgruppen aus dem Quartier. Die Stadt Fribourg stellte dazu das Netzwerk Paysages éducatifs vor, dass im Kinder- und Jugendbereich Verhandlung, aber auch einer vereinfachten Kommunikation, zwischen Verwaltung und Schlüsselpersonen aus dem Quartier erleichtert. Der Aspekt der Teilhabe wurde vertieft am Beispiel der partizipativen Gemeinschaftsgärten mit soziokultureller Betreuung. Die Betreuung wird durch die Organisation Reper gemacht, die für die soziokulturelle Animation in der Stadt verantwortlich ist. Dabei hat sich folgendes gezeigt:

  • Partizipation und Teilhabe können durch den Einbezug der Bedürfnisse und Wünsche der Quartierbevölkerung in städtischen Projekten erhöht werden. Das Beispiel zeigt, dass dies geeignete Gefässe und Koordination braucht, welche die Bedürfnisse und Wünsche priorisiert und diese durch Pilotversuche schnell umsetzten kann (wie im réseau Paysages éducatifs).
  • Partizipation und Teilhabe im Quartier können auch direkt durch Projekte wie ein Quartiergarten gefördert werden. Die sozio-animatorische Begleitung des Projekts ermöglicht es, Teilhabe gezielt zu schaffen und zu begleiten, auch wenn Differenzen ver- und ausgehandelt werden müssen.
  • Der Gemeinschaftsgarten bietet eine Möglichkeit für die Quartierbevölkerung, Teilhabe und Verhandlung zu leben, und ihr Engagement selbst zu steuern nach Lust und Möglichkeiten der Einzelnen.

Schulareale als Quartierräume, Uster

In Uster wurde die beiden Aspekte Verhandlung und Teilhabe an der Thematik der Schulhöfe als Quartierraum besprochen: Verhandlung und Aushandlung spielen eine grosse Rolle, wenn Schulhöfe als Quartierräume gedacht werden, Partizipation und Aneignung können diese Neudefinition unterstützen und so Teilhabe schaffen. An der Veranstaltung zeigte sich:

  • Dass Schulareale eine wichtige Rolle als Freiräume in sich verdichtenden Städten spielen werden, insbesondere Primarschulen. Die Nutzung ist allerdings nur ausserhalb der Schulzeiten möglich und unter Einbezug des Unterhaltspersonals der Schulen.
  • Gute Kommunikation mit dem Quartier und der Abbau von physischen Barrieren ist zentral für die Öffnung der Schulareale.
  • Die (Um)gestaltung von Schularealen bieten eine gute Möglichkeit, die Quartierbevölkerung, wenn auch als sekundäre Nutzende, durch Partizipation (und somit Teilhabe) miteinzubeziehen und die Öffnung zum Quartier zu unterstützen.
  • Durch partizipative Prozesse an Schulen können Kinder früh Teilhabe und Verhandlung erleben und erlernen.

Die Stadt Uster steht noch am Anfang ihrer Überlegungen, wie Schulareale als Quartierraum dienen können. Die Vertiefung dieser Thematik, auch an anderen Orten, bietet eine Chance für eine effiziente Mehrfachnutzung von existierenden Freiräumen. Zur Thematik der Schulareale würde es sich auch anbieten, weitere Themen anzugehen, wie die Anpassung der Schulareale an den Klimawandel.

Teilhabe und Verhandlung im Quartier

Die Veranstaltungen des Netzwerk Lebendige Quartiere 2025 haben gezeigt, dass Teilhabe und Verhandlung in verschiedenen Formen stattfinden. Diese kann durch entsprechende Instrumente der Verwaltung oder der Quartierarbeit ermöglicht werden, oder durch Partizipation eingefordert werden. Teilhabe entsteht aber auch, ohne dass diese durch die Verwaltung oder Quartierarbeit ermöglicht wird. Der Austausch im Netzwerk zeigt eindrücklich auf, dass die Bedeutung von Teilhabe und Verhandlung im Quartier als Pfeiler der Städte, Agglomerationen, und damit auch des Landes, kaum genügend hervorgehoben werden kann.

In seiner Ausprägung ist freiwilliges Engagement im Quartier ebenso eine Form der Teilhabe, wie das das gemeinsame Gärtnern. Diese unterschiedlichen Formen ziehen unterschiedliche Menschen an. Das Ansprechen von unterschiedlichen Menschen durch verschiedene Formate baut Barrieren ab und ermöglicht eine breitere Teilhabe für mehr Menschen. Teilhabe wird durch Quartierarbeit aktiv ermöglicht, sei es indem in der Freiwilligenarbeit Barrieren abgebaut werden, indem Schulareale sich öffnen und der Quartierbevölkerung zur Verfügung stehen, oder indem die soziokulturelle Animation zu einem Erntefest im Gemeinschaftsgarten einlädt. Teilhabe entsteht also nicht immer von selbst, sondern Möglichkeiten zur Teilhabe müssen auch aktiv durch die Quartierarbeit geschaffen werden.

Teilhabe bedingt und bedeutet gleichzeitig auch Verhandlung. So müssen die Bedingungen, zu denen sich Menschen freiwillig engagieren, ausgehandelt werden und das Mitbenützen der Schulareale durch die Quartierbevölkerung löst Nutzungskonflikte aus. In der Quartierarbeit und der administrativen Begleitung von Quartieren bedeutet Teilhabe und Verhandlung auch Koordination und eine Gewichtung der Anliegen aus den Quartieren. Hierzu können Instrumente wie das Netzwerk Paysages éducatifs in Freiburg eine gute Möglichkeit bilden. Teilhabe und Verhandlung sind alltägliche und besondere Phänomene in den Quartieren und werden deswegen auch in der zukünftigen Arbeit des Netzwerk Lebendige Quartiere immer wieder thematisiert werden.

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