Nadine Junghanns, Spezialistin kinderfreundliche Lebensräume bei UNICEF Schweiz und Liechtenstein, stellt die wichtigsten Erkenntnisse der jüngsten Studie des UNICEF und der ZHAW zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen vor. Zur Studie führt UNICEF ausserdem am 27. Oktober von 14-16 Uhr ein Webinar durch.
Warum ist Partizipation von Kindern und Jugendlichen bei Planungsprojekten wichtig?
Kinder und Jugendliche erleben ihr Lebensumfeld aus einer eigenen, oft unterschätzten Perspektive. Sie wissen, welche Wege sich sicher anfühlen, wo sie sich gerne aufhalten und was einen Ort attraktiv macht. Dieses Wissen ist für die Planung öffentlicher Freiräume, Schul- und Freizeitwege wertvoll. Werden sie beteiligt, stärkt das ihre Selbstwirksamkeit, ihr Verantwortungsgefühl und ihr Vertrauen in demokratische Prozesse. Partizipation ist deshalb nicht nur ein Recht, sondern auch ein fachlicher Mehrwert.
Die Studie von UNICEF Schweiz und Liechtenstein in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeigt, dass diese Partizipation in der Schweiz und in Liechtenstein noch nicht selbstverständlich ist.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie von UNICEF Schweiz und Liechtenstein und der ZHAW?
Die Studie basiert auf einer Befragung von 172 Gemeinden und 16 Kantonen sowie auf Gesprächen mit Vertreter:innen aus zehn Gemeinden. Die wichtigsten Ergebnisse sind:
Aus den Ergebnissen wurden Empfehlungen für Gemeinden, Kantone und Akteur:innen abgeleitet. Sie sind im Studienbericht erklärt und in der Kurzfassung zusammengefasst.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Kinder- und Jugendpartizipation und lebendigen Quartieren?
Lebendige Quartiere sind Orte, an denen Menschen sich begegnen, sich aufhalten und sich entfalten können. Kinder und Jugendliche nutzen diese Räume besonders intensiv. Wenn ihre Erfahrungen in die Planung einfliessen, werden Bedürfnisse sichtbar, die in erwachsenenzentrierten Verfahren leicht übersehen werden.
Beteiligung kann zudem die Beziehung zum Quartier stärken. Kinder und Jugendliche, die an der Gestaltung eines Ortes beteiligt sind und nachvollziehen können, was mit ihren Ideen geschieht, identifizieren sich eher mit diesem Ort. Daraus können mehr Verantwortungsgefühl, Nutzungsqualität und Zugehörigkeit entstehen.
Entscheidend ist, dass Partizipation von Kindern und Jugendlichen nicht bei einer einmaligen Befragung stehen bleibt. Die Studie empfiehlt, formelle Planung stärker mit Schule, Kinder- und Jugendarbeit sowie Quartierarbeit zu verbinden. So können die Anliegen und Erfahrungen von Kindern kontinuierlich in die Quartierentwicklung einfliessen.
Kinder- und Jugendpartizipation ist ein wichtiger Baustein für lebendige Quartiere. Sie wirkt aber nicht automatisch. Der Studienbericht und die Kurzfassung zeigen auf, welche Themen angepackt werden müssen, damit das Recht des Kindes auf Mitwirkung auch bei der Planung und Gestaltung des öffentlichen Raums umgesetzt wird.
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