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NLQ vor Ort in Wil

Dienstag, 17. August 2021

Quartieransichten aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Das Netzwerk Lebendige Quartiere war zu Besuch in Wil. Stadtpräsident Hans Mäder begrüsste die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Schweiz zur Veranstaltung unter dem Titel «Quartieransichten aus unterschiedlichen Blickwinkeln».

Die Stadt Wil behauptet sich durch selbstbewusste Quartiere mit unterschiedlichen Wohn-, Dienstleistungs- und Gewerbeangeboten und damit auch durch ganz verschiedene Siedlungs- und Bevölkerungsstrukturen. Jedes Quartier bietet als Lebensraum eigene Qualitäten und Potenziale und spricht unterschiedliche Bevölkerungsgruppen an. Die einzelnen Quartiere formen mit ihren Bewohnenden die lebendige, lebenswerte und vielfältige grosse Gemeinschaft der Stadt Wil, zu deren Vielfalt und Qualität sie beitragen. Die Quartieranliegen sollen entsprechend dem Gesamtinteresse der Stadt Wil unterstützt werden. Dabei steht nicht die Übernahme von Quartieraufgaben im Vordergrund, sondern die Unterstützung der Quartierbewohnenden im Sinne der Förderung der Eigeninitiative. Mit dem Pilotprojekt «Quartiertreff Lindenhof» wurde im Sommer 2018 ein zentraler Baustein zur Stärkung der Quartiermitte geschaffen.

Im Lindenhof-Quartier ist aktuell und auch in den nächsten Jahren sehr viel in Bewegung – einerseits wegen der laufenden grossflächigen Arealüberbauungsprojekte, anderseits aufgrund des mittelfristigen Sanierungsbedarfs der in grosser Zahl vorhandenen älteren Gebäudesubstanz. Beides wird einen Einfluss auf die Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur und damit die Quartierentwicklung haben und das künftige Quartierbild prägen. Es gilt daher im Sinne einer vorausschauenden Planung, den heutigen vielfältigen Qualitäten des Quartiers Sorge zu tragen und ungenutzte Potenziale auszuschöpfen.

Durch einen Rundgang erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in das Quartierleben im Lindenhof aus drei Perspektiven.

Rundgang mit Christian Tröhler, Präsident Quartierverein Lindenhof
Seit 1966 wohnt Christian Tröhler im Lindenhof-Quartier, und so war er für unseren Quartierrundgang der ideale Guide. Kaum eine Ecke, wo es nichts zu erzählen oder niemanden zu grüssen gab. Tröhler zeigte auf seinem Rundgang ein lebendiges und durchmischtes Quartier mit Einfamilienhäusern, Wohnblocks aus den 1960ern und modernen Überbauungen. Auf dem Gelände der alten Kaserne tummeln sich verschiedenste Zwischennutzungen – während Nachwuchshandwerker auf der Kinderbaustelle an eigenen Holzhäusern werkeln, werden daneben Harley-Davidsons repariert.

Rundgang mit Martin Bischof, Leiter Quartiertreff Lindenhof Wil
Als langjähriger Kinder- und Jugendarbeiter in verschiedenen Gemeinden der Schweiz liegt Martin Bischof besonders auch die Kinderfreundlichkeit des Quartieres am Herzen. Es gab viele kleine und grosse Grünflächen zu entdecken, welche speziell für Kinder einladend sind, um darauf zu spielen. Viele Wohnblocks bieten zudem kleinere Spielanlagen mit Rutschbahnen und Schaukeln, die aber wie die Wohnblocks etwas in die Jahre gekommen sind. Ein Highlight im Quartier für die Kinder ist die Kinderbaustelle. Zwischen Frühlings- und Herbstferien besteht für die Kinder die Möglichkeit, auf einem Brachliegenden Feld ihre eigene farbenfrohe Stadt aufzubauen.

Rundgang mit Dominique Tschannen, Leiter Fachstelle Integration der Stadt Wil
„Mit Segregation wird nach Häussermann die räumlich verortbare Konzentration bestimmter sozialer Gruppen nach bestimmten Eigenschaft bezeichnet“ erklärte Dominique Tschannen den Teilnehmenden zu Beginn des Rundgangs durch das Lindenhof-Quartier. Und Segregation ist auch in Wil ein Thema, wie er eindrücklich aufzeigen konnte. Das Lindenhofquartier weist die höchste Bevölkerungsdichte der Wiler Stadtquartiere auf. In Bezug auf die Bevölkerungsstruktur zeichnet sich das Lindenhof-Quartier einerseits durch einen hohen Anteil Schweizer Senior*innen und andererseits durch einen hohen Anteil zugewanderter Familien aus. Das führt in der Schule zu einem sehr hohen Anteil von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache. Im Quartier sind preiswerte Wohnungen für alle Lebenslagen und -abschnitte vorhanden, allerdings nicht gleichmässig über das Quartier verteilt. Bei der Beurteilung von Segregation ist es wichtig, deren Ursachen und Auswirkungen zu berücksichtigen. Nur so können die positiven und negativen Effekte der Segregation identifiziert werden. Im Januar 2015 startete das von der Stadt Wil lancierte und vom Kanton St. Gallen unterstützte «projet futur», ein Pilotprojekt zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Lindenhofquartiers. Gemäss Dominique Tschannen war die Quartieranalyse des projet futur eine wertvolle Grundlage für die Entwicklungsarbeiten. Mit dem nun verstetigten «Quartiertreff Lindenhof» wurde im Sommer 2018 ein zentraler Baustein zur Stärkung der Quartiermitte geschaffen.

Erfahrungsaustausch
Im zweiten Teil des Nachmittags stand der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden diskutieren in zwei Gruppen die digitale Quartierarbeit und die Herausforderungen der Freiwilligenarbeit.

Quartierarbeit digital?
Die Teilnehmenden sahen in der digitalen Quartierarbeit das Potential, breitere Bevölkerungsschichten schneller und einfacher zu erreichen als mit der bisher üblichen Einwegkommunikation (bspw. über Webseiten). In der Praxis zeigte sich aber häufig das Problem, dass die neuen Kommunikationstools, allen voran die sozialen Medien, auch dauernd bedient werden sollten, was von den Städten ein neues Denken fordere. Zusammen mit den gewohnten Kommunikationsmitteln und Präsenz vor Ort könnten Facebook, Instagram usw. es den Städten aber ermöglichen, Informationen über ihre Angebote breiter zu streuen.

Freiwilligenarbeit: Gewinnung, Motivation und Anerkennung
Rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung in der Schweiz engagiert sich freiwillig. Freiwilligenarbeit ist sehr vielfältig: Die Mitarbeit in karitativen, sozialen und kirchlichen Organisationen gehört genauso dazu wie auch das Engagement in Sport, Kultur und in Interessengemeinschaften. Grosses Engagement wird auch in den Quartieren geleistet. Doch wie gelingt es uns grundsätzlich, Freiwillige für das Mitwirken im Quartier zu gewinnen? Warum leistet jemand Freiwilligenarbeit? Warum sollte sich jemand freiwillig im Quartier engagieren? Und wie können wir Freiwilligenarbeit anerkennen und wertschätzen? Die Ergebnisse der belebten Diskussion sind als Dowload rechts auf dieser Seite verfügbar.

Autres Manifestations

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6 mai 2026
Délai d'inscription: 28 avril 2026
Das Quartier bietet eine gute Grundlage um Bewegung und Begegnung fördern, denn dort findet der Alltag statt….