Programme
Colloque d'automne | Réseau Quartiers Vivants
Dienstag, 2. Dezember 2025, 13.30 bis 17.00 Uhr
Uster: Schulareale als Quartierraum
Die rund 40 Teilnehmenden treffen sich auf dem Abenteuerspielplatz Holzwurm in Uster. Im ersten Teil der Veranstaltung werden die Teilnehmenden in die Problematik in Uster eingeführt. Nadine Kaspar, Leistungsgruppenleiterin Stadtplanung der Stadt Uster, stellt den städtebaulichen Kontext vor. Uster ist die drittgrösste Stadt im Kanton Zürich (37 000 Einwohnende), 25% der Einwohnenden sind Menschen ohne Schweizer Pass. Uster versteht sich eher als eine „Stadt in der Landschaft“, und weniger als eine Agglomerationsgemeinde von Zürich. Mit dem Bevölkerungswachstum, dass in den kommenden Jahren auf den Grossraum Zürich zukommt, wird sich auch Uster sich verändern, denn es gibt hat kaum noch Baulandreserven in Uster. In diesem Zusammenhang bieten die Schulareale, gerade die der Primarschule, welche dezentral über ganz Uster verteilt liegen, ein grosses Freiraumpotenzial.
Während ihrem Input setzt sich Andrea Faeh, Leiterin Kindheit, Jugend und Inklusion der Stadt Uster, mit der Frage auseinander, ob und wie heute Schulareale als Quartierräume genutzt werden in Uster. Die Grundlage, dass ein Schulareal als Quartierraum wahrgenommen wird, ist die Identifikation der Quartierbevölkerung mit dem Raum; ein guter Indikator dafür ist die Aneignung durch die Quartierbevölkerung. Grundsätzlich bieten die Schulareale hierfür ein grosses Potenzial, de facto werden diese aber nicht genutzt. Hierfür sieht sie verschiedene Gründe. Die Definitionsmacht über die Schulareale liegt nicht beim Quartier. Die Mitbestimmung und Partizipation für die Quartierbevölkerung limitiert sich momentan im besten Fall auf die Auswahl der Spielgeräte – eine systematische Definition der verschiedenen Anspruchsgruppen fehlt bisher. Weiter werden auch die Wünsche der Gemeinwesensarbeit bei Abwägungsprozessen tiefer gewertet als verschiedene anderen in den Prozess involvierten Gruppen. Sie schliesst daraus, dass auf der kommunalen Ebene die strukturellen Rahmenbedingungen noch fehlen, um systematisch aus Schul- Quartierareale zu machen.
Petra Loser, Teamleiterin Schulliegenschaften Primarschule der Stadt Uster, erklärt, dass die Schulraumplanung die Brücke schlägt zwischen den Schulen selbst und den Finanzen der Stadt. Die Die Entwicklung der Schulareale beruht auf planerischen Grundlagen wie dem (Schul-)Aussenraumkonzept der Stadt Uster. Dieses hält Grundsätze wie naturnahe Gestaltung, Biodiversität, grüne Flächen und deren Wirkung als Wärmeschutz, Barrierefreiheit und Sicherheitsrichtlinien fest. Diese verschiedenen Ansprüche an den Schulareale sind teils widersprüchlich und bedingen Kompromisse in der Gestaltung. Weiter hat die Stadt Uster auch zum Ziel, vermehrt im Freien zu unterrichten, weswegen die Aussenraumgestaltung der Schule nochmals wichtiger wird. Ein gutes Beispiel dafür bietet die Umgestaltung des Aussenraums der Primarschule Oberuster. Diese war zuerst im Rahmen einer Aufstockung mitgeplant worden, aufgrund von stagnierenden Schüler:innenzahlen, war das Projekt sistiert worden. Nun wurde aber eine Teilfinanzierung für die Aussenraumumgestaltung trotzdem gesprochen. Die Umgestaltung des Aussenraums wurde partizipativ mit Schüler:innen, Lehrpersonen, Planende, Elternrat und der Schulleitung mitgestaltet. Ziel der Anpassung des Aussenraums war es, diesen insbesondere auf die Kinder anzupassen. (hier Projekt einfügen).
Unter der Leitung der Schulleiterin Ursina Steiner werden die Teilnehmenden über das Schulareal der Primarschule Oberuster geführt. Das Areal ist im jetzigen Zustand karg und bietet einen betonierten Platz für das Fussballspiel und einen Rasen. Ziel ist es, weitere Spielmöglichkeiten (Schaukeln, Lianen, Seilbahn, Klettermöglichkeiten) zu schaffen, um den Druck auf die Fussballfläche zu verkleinern und damit auch die Konflikte unter den Kindern zu verringern. Das Spiel auf dem jetzigen Fussballplatz soll so umgestellt werden, dass auch Querspiel möglich ist, weiter soll ein Feinbelag verlegt werden. Es sollen Aufenthaltsorte wie Liegeflächen oder ein Weidenzelt geschaffen werden. Die bestehenden Metallbänke sollen mit Holzbänken und Tischen ergänzt werden. Ein Bereich ist für eine ökologische Aufwertung vorgesehen, der auch als Unterrichtsraum draussen dienen wird: denn, die Anpassung des Schulareals soll nicht nur in der Pause dienen, sondern die Schule generell zu einem inspirierenden Lernort machen. Ursina Steiner hofft, dass das Schulareal nach der Umgestaltung ausserhalb der Schulzeiten vermehrt vom Quartier genutzt wird. Die Primarschule und deren Schulareale bieten sich besonders als Quartierräume an, denn diese befinden sich dort, wo die Familien wohnen.
Zurück im Abenteuerspielplatz Holzwurm tauschen sich die Teilnehmenden in Diskussionsgruppen zu den Themen Partizipation, Zusammenarbeit in der Verwaltung und Schularealen als Quartierräumen aus. Die wichtigsten Voten halten wir hier fest. Für die Partizipation (in der Schulraumgestaltung) ist (wie immer) eine frühzeitige Klärung des Möglichkeitsrahmens, Nutzendengruppen und deren Rolle im Prozess durch die Gemeindeverwaltung ab. Weiter muss festgelegt werden welche Nutzenden prioritär bzw. gleichberechtigt sind, um später Nutzungskonflikte zu verhindern. Bei der Zusammenarbeit in der Verwaltung spielt die Grösse derselbigen eine Rolle. Ein Partizipationskonzept (wie in den Städten Luzern, Wetzikon, Sursee) für die gesamte Verwaltung hilft, die Ziele, Zeitpunkt und Möglichkeiten zu setzen. Vorteil einer Verwaltungsübergreifenden Zusammenarbeit ist es, dass eine Multiperspektive eingebracht werden kann. Querschnittsaufgaben oder Querschnittsorte, wie Schulorte als Quartierorte mitzudenken ist schwierig, weil die einzeln Fachpersonen einen fragmentierten Aufgabenbereich haben. Damit vernetzt gedacht wird, braucht es (niederschwellige) Vernetzung zwischen den Fachpersonen. Schulareale sind an sich Freiräume, aber es scheint unsichtbare Zäune um die Areale zu geben, denn die Aneignung ausserhalb der Schulzeiten findet nicht oder kaum statt. Schulregeln, Überwachungskameras und die Art der Beleuchtung beeinflussen die Aneignung mit. Um den Wechsel vom Schul- zum Quartierareal zu schaffen, müssen auch genügend Ressourcen beim Hausdienst vorhanden sind. Ein mögliches Hemmnis für die Förderung von Aneignung ist die Angst vor Nutzungskonflikten, was proaktiv angegangen werden muss.
Während eine Aneignung von Schularealen durch das Quartier – zumindest ausserhalb der Schulzeiten –gewisse Herausforderungen stellt, bietet sich diese trotzdem an: umso mehr, um auch in sich verdichtenden Quartieren genügend Freiraum für das Quartier zu schaffen und bestehende Ressourcen kreativ zu nutzen. Dies bedingt zwar auch einen Kulturwechsel auf Seiten der Verwaltung und eine verwaltungsinterne Zusammenarbeit. Gerade Austausche wie der abteilungsübergreifende Lunch in Uster zur Thematik Kinder und Jugendliche bieten hierzu eine gute Möglichkeit. Weiter gilt es Chancen, wie ein Schulhofumbau, mitzunutzen und das Quartier miteinzubeziehen. Zuletzt könnte auch an die Bevölkerung gerichtete Kommunikation zu der Politik eines offenen Schulareals Praktiken beitragen.